Publikationen
Der Weg als Ziel Teil I
Marianne Ramseier
 
Ergebnisse einer schriftlichen Umfrage zu Rückengymnastik - Kursen
 
   
Einleitung  
     
 
" Mach weiter so wie bis anhin ! Wir verändern uns gerne mit Dir."

Dies ist das Feedback einer Kursteilnehmerin an ihre Rückengymnastik Lehrerin. Ein wunderbarer Satz, der alles enthält: die Konstanz, das Dauerhafte, die Kontinuität unserer Kurse, aber auch die stete Veränderung und die Weiterentwicklung jeder einzelnen Person. Oftmals werden wir in den Kursen gefragt: "Wie lange muss oder soll ich kommen ?"

Sind es drei Monate, sechs Monate oder ein Jahr ?

Im Verlaufe dieser Arbeit wurde mir einmal mehr bewusst, dass es für das Training unseres Körpers keine zeitliche Begrenzung gibt.

Wir leben mit und in diesem Körper von der Geburt bis zum Tod. Es gibt kein Ausweichen. Trotzdem können wir etwas tun: dem Körper Sorge tragen, ihn beachten und die Informationen, die er uns gibt, ernst nehmen.
Aus diesem Grunde nenne ich meine Arbeit " Der Weg als Ziel ". Viel wichtiger als sich kurzfristig für einen Rückenkurs anzumelden scheint mir, konstant an sich zu arbeiten und das Gelernte in den Alltag umzusetzen, um eine positive Veränderung zu spüren und zu erleben.
 
     
  Warum ist nun die Kombination von Kontinuität und Veränderung in Rückengymnastikkursen so interessant und wichtig ?  
     
 

Meine Motivation, diese Umfrage durchzuführen, war folgende :
Seit 1993 wird von der VdG ( Vereinigung der Gymnastiklehrerinnen-CH ) das Fachergänzungsstudium Rücken angeboten. Bis heute war jeder Lehrgang sehr gut besucht. Das Interesse der GymnastiklehrerInnen an vertieften Kenntnissen zum Thema Rücken war keine kurzfristige Trenderscheinung, sondern ein echtes Bedürfnis. Mit der Problematik Rückenschmerzen werden viele Unterrichtende ständig konfrontiert. Dabei stösst man immer wieder an die eigenen Grenzen. Wie weit kann ich mit den Leuten gehen ? Was mache ich, wenn die Gruppe aus Leuten mit unterschiedlichen Schmerzen, Bedürfnissen und Erwartungen besteht ? Sind solche Kurse die Quadratur des Kreises oder gibt es Möglichkeiten, befriedigende Lösungen zu finden ? Da dieses relativ "junge" Gymnastikfach noch nie durchleuchtet wurde, interessierte mich vor allem, wer eigentlich hinter diesen Kursen steckt und in welcher Form, bzw. mit welchen Zielen, die Rückengymnastik momentan angeboten wird. Ich hoffe, damit allen Interessierten einen tieferen Einblick in diese Kurse zu ermöglichen und Anregungen für die Weiterbildung geben zu können.

Die im Januar 2000 durchgeführte Umfrage an GymnastiklehrerInnen mit der Zusatzausbildung FE Rücken ist von zwei Dritteln beantwortet worden. Von 102 ausgesandten Fragebögen wurden 68 zurückgeschickt. Die Fragen sind nach 5 Themenkreisen gegliedert:

1. Kursangebot

2. KursteilnehmerInnen

3. Kursgestaltung

4. Kursnutzen ( Teil II )

5. Aus- und Weiterbildung ( Teil II )

 

Bemerkung : Die Namen von zitierten KursteilnehmerInnen werden durch
Initialien abgekürzt. Für KursteilnehmerInnen wird die Abkürzung KTN benutzt.

 

Die Studie entstand als Abschlussarbeit zum Sprachlehrerdiplom an der
Schule für angewandte Linguistik, Zürich

Ich möchte allen Kolleginnen für die offenen, ehrlichen und klaren Antworten
danken. Gefreut hat mich natürlich auch. dass mir sehr viele Erfolg, Freude
und Energie für meine Arbeit gewünscht haben. Ein besonderer Dank gilt
meinem SAL-Dozenten Peter Rütsche, der mich mit seinem großen Fach-
wissen durch diese Umfrage geleitet hat.

*)

     
  Kursangebot  
  Gibst du gegenwärtig Rückenkurse ?  
  Von den insgesamt 68 Antwortenden geben 61 an, dass sie gegenwärtig Rückengymnastik unterrichten, vier unterrichten nicht, haben aber innerhalb der letzten 5 Jahre Kurse erteilt. Drei geben an, dass sie die Rückengymnastik in die allgemeine Gymnastik integrieren.  
     
  Unter welchem Namen bietest Du Deine Kurse an ?  
  Ein grosser Teil, nämlich 56, nennt die Kurse "Rückengymnastik". Elf nennen
die Kurse "Rückenfit", drei "Schongymnastik".
Daneben gibt es viele Varianten, wie Rückenkurse genannt werden können:
--Gymnastik mit Schwerpunkt Rücken
--Haltungsgymnastik
--Die lachende Wirbelsäule
--Die bewegliche Wirbelsäule
--Wirbelsäulengymnastik
--Rücken- und Osteofit
--Haltungsstretch
--Rückengym und Atemschulung
--Yoga mit Rückengymnastik
--Chi Gong und Rücken
--Rückenpräventionsgymnastik
--bewusste Körperschulung
--Rücken- und Beckenbodengymnastik
--Rücken-Ball-Gymnastik
--Rücken-Fit und Stretch
     
  Sind Deine Kurse mehrheitlich fortlaufend oder zeitlich begrenzt ?  
  64 Antwortende erteilen fortlaufende Kurse
2 bieten sowohl fortlaufende wie auch zeitlich begrenzte Kurse an
2 geben ausschließlich zeitlich begrenzte Kurse
 
     
  Wieviele TeilnehmerInnen hast du zurzeit durchschnittlich in deinen Kursen ?  
  .7 Antwortende haben 1 - 5 Personen
47 Antwortende haben 6 - 10 Personen
14 Antwortende haben über 10 Personen
 
     
  KursteilnehmerInnen  
     
  Wieviele KurteilnehmerInnen kommen erfahrungsgemäss aus eigenem Antrieb,
bzw. werden durch den Arzt empfohlen ?
 
  39 Befragte antworten, dass 90-100 % der KTN aus eigenem Antrieb kommen
bei 14 Befragten kommen ca. 80 % von sich aus
bei 9 Befragten sind es 70 Prozent.

Nur gerade 4 Personen geben an, dass über die Hälfte der TeilnehmerInnen
durch den Arzt empfohlen wurde.
 
     
  Welches sind die hauptsächlichen Beweggründe der TeilnehmerInnen, die aus
eigenem Antrieb in deinen Kurs kommen ?
 
  Die Beweggründe sind sehr vielfältig (Mehrfachnennungen möglich) :  
  Antworten Nennungen
  Schmerzen im Alltag (ganzer Rücken, Nacken,Kreuz, Gelenke) 47
  Prävention / Prophylaxe 15
  Etwas für die Gesundheit tun/allg. Wohlbefinden verbessern 12
  Haltung verbessern 12
  Verspannungen 7
  Etwas für sich selber tun (bewusst ausklinken) 6
  Beweglichkeit erhöhen 6
  Schlechtes Gewissen, Gefühl, etwas machen zu "müssen" 5
  Den eigenen Körper besser kennen lernen - 5
  (Körperbewusstsein stärken und in den Alltag integrieren)
  Sich mindestens 1 x pro Woche unter kundiger Leitung bewegen 4
  Freude, Spass an der Bewegung 4
  Soziale Kontakte 4
  Empfehlung durch eine Drittperson 4
  Umsteigen aus einem anderen Kurs (Altersgründe und/oder Schmerzgründe) 3
  Rückengerechtes Verhalten im Alltag ( Ergonomie) 3
  Fehlende Kraft 3
  Wunsch nach ganzheitlichem Bewegungstraining 3
  Unterstützung der Heilung nach einer Rückenoperation 1
  Motivierendes, einladendes Kursangebot 1
  Bewegungsmangel 1
     
  Haben die TeilnehmerInnen Gründe dafür, in den Kursen zu bleiben,
auch wenn sich die genannten Absichten erfüllt haben ?
 
  Offensichtlich gelingt es sehr vielen GymnastiklehrerInnen, die Stunden so zu gestalten, dass die Leute sich wohlfühlen. Viele Kundinnen bleiben über Jahre im gleichen Kurs und schätzen das wöchentliche Körpertraining.  
  Antworten Nennungen
  Spass an der Stunde, KursteilnehmerInnen fühlen sich wohl 24
  Sozialer Aspekt ( Gruppenzugehörigkeit ) 20
  KTN spüren, dass es ihnen besser geht, wenn sie die Kurse
regelmässig besuchen
18
  Schmerzfreien Zustand aufrecht erhalten 10
  Prophylaxe 6
  Zu Hause nimmt man sich die Zeit nicht, etwas für den Körper zu tun
( Motivation in der Gruppe ist größer )
6
  Bedürfnis nach regelmäßiger Bewegung 5
  Das Interesse am Rücken ist geweckt, mehr Information ist gefragt 5
  Gewohnheit, Bestandteil des Wochenrhythmus 2
     
  Wie lange bleiben die KursteilnehmerInnen mehrheitlich ?  
 

Wie schon erwähnt, gibt es sehr viele treue Kundinnen :
Bei 59 der Befragten bleiben die KTN über ein Jahr, bei 9 unter einem Jahr im Kurs.
Einige erwähnen, dass sie KursteilnehmerInnen hätten, die seit 20 Jahren dabei sind. Oftmals sei es dann für NeueinsteigerInnen schwierig, sich in einer solch homogenen Gruppe zu integrieren. Gemäss zwei weiteren Aussagen scheint die Ausdauer bei den Männern ein Problem zu sein :

"Die Männer bleiben nur einen Kurs a 10 Lektionen und wollen dann selber weiterüben !" und "Die Männer haben viel schneller das Gefühl, dass sie es nicht mehr nötig hätten, weiterhin zu kommen."

 
     
  Welcher Altersgruppe gehören deine KursteilnehmerInnen hauptsächlich an ?  
  Erwartungsgemäß ist die Mehrheit der KTN zwischen 40 und 60 Jahre alt  
  Unter 20 Jahre 1
  20 - 40 Jahre 14
  40 - 60 Jahre 40
  Über 60 Jahre 13
     
  Kursgestaltung  
  Welches sind deine Hauptziele in der Rückengymnastik ?  
  Ein Grossteil der Befragten gibt mehrere Kursziele an. Es fällt auf, dass
es sehr vielen KursleiterInnen wichtig ist, dass die Teilnehmerinnen das
Gelernte im Alltag umsetzen ( Mehrfachnennungen möglich ).
*)
  Antworten Nennungen
  Fördern und Erhalten der Beweglichkeit, Ausdauer, Kraft, Koordination, 42
  Aufbau eines muskulären Gleichgewichts sowie Entspannung
  Körperwahrnehmung fördern und verbessern (sich selber kennen lernen) 39
  Transfer in den Alltag
  Spass, Freude an der Bewegung vermitteln 15
  Haltung im Alltag verbessern 11
  Eigenverantwortung übernehmen 9
  Erlernen eines rückenschonenden Verhaltens (Ergonomie) 9
  Kenntnisse über anatomische sowie körperliche und seelische 7
  Zusammenhänge aufzeigen und vermitteln
  Allgemeine Lebensqualität steigern, Schmerzen bekämpfen helfen 7
  Stressmanagement 5
  Physisches und psychisches Wohlbefinden fördern 3
  Bewusster mit der Atmung umgehen 3
  Sozialer Austausch 1
  Zielgruppengerechtes Angebot 1
  Hirntraining 1
 
Wie gestaltest du deine Lektionen ?

Die eine Hälfte gibt an, dass sie für jede Lektion einen Körperschwerpunkt festlegt, die andere Hälfte macht immer ein ganzheitliches Körpertraining.

Einige geben zudem an, dass sie über mehrere Lektionen hinweg an einem bestimmten Thema arbeiten. Eine weitere Variante ist aus folgendem Votum erkennbar : "Ich lass mich oft leiten von dem, was ich bei den Leuten sehe"

     
Wie ist das Verhältnis zwischen Theorie und Praxis in deinem Unterricht ?

Die Praxis steht ganz eindeutig im Vordergrund :

42 haben einen Praxisanteil von 90 % - 100 %

Bei 22 liegt der Praxisanteil zwischen 80 % und 90 %

Nur gerade 4 geben an, weniger als 80 % praktisch zu arbeiten.

     
Verwendest du in deinen Lektionen Musik ?
Fast zwei Drittel benützen teilweise Musik.
Ein Viertel gibt an, immer Musik einzusetzen
und nur jeder Zehnte arbeitet gänzlich ohne Musik.
     
Verwendest du Handgeräte in deinen Kursen ?
Handgeräte scheinen sehr beliebt zu sein. Nur eine Person antwortet, sie arbeite ohne. Den Phantasien, was man alles verwenden kann, sind kaum Grenzen gesetzt. "Alles, was brauchbar ist und Sinn macht ", sagt A.B.
Da die Antworten gekoppelt auftreten, überschreiten die Angaben 68 Nennungen. Mit Ausnahme einer Person arbeiten alle mit Bällen : (Sitzbälle, Gymnastikbälle, Softbälle, Tennisbälle, Activabälle usw.).
Auch Therabänder sind sehr beliebt und werden von 64 benutzt.
Stäbe werden von 38 der Befragten verwendet, Seile von 25.
Auch Massagehilfen sind beliebt, 27 nützen diese in irgendeiner Form.
Zusätzliche Hilfsmittel, die genannt wurden: alle Arten von Tüchern, Sitzkissen, Ballone, Gewichte (vor allem Hanteln), Keulen, Reifen, Kirschsteinsäckli, Steps und Rebounds.
     
Arbeitest du mit Zusatzmaterialien ?
Nebst all den Handgeräten wird sehr viel Zusatzmaterial verwendet. Nur
gerade 4 der 68 Befragten geben an, ohne zusätzliches Material zu arbeiten.
Alle Antwortenden verwenden Demonstrationsobjekte ( Skelett, Wirbel-
säule, Becken). Ebenfalls alle benutzen Bilder ( aus Zeitschriften, Büchern,
Anatomieatlanten, Broschüren der Rheumaliga und der Suva usw.).
Texte aus Zeitungen und Zeitschriften ( Forschungsresultate, Statistiken )
werden von 22 vorgelesen und diskutiert. Zusätzlich wird von A.B. auch
"lebendiges Material" verwendet (Körper der KTN).
     
Woher nimmst du die Ideen, um abwechslungsreiche Kurse gestalten zu können ?
  Antworten Nennungen
Weiterbildungsangebote ( häufig werden die VdG-Kurse genannt ) 44
Eigene Kreativität, eigene Ideen 34
(oftmals möglich durch langjährige Berufserfahrung )
Auffallend ist, dass oftmals gar nicht klar ist, woher die Ideen stammen,
wie folgende Aussagen bestätigen:
" Manchmal sitze ich ganz still in einer Ecke und sauge mir die Ideen
aus den Fingerspitzen - und siehe da .." ( B.B.)
" Ich mache den Kopfstand und die Ideen purzeln raus !" ( R.M. )
Fachliteratur ( Bücher, Zeitschriftenabos), Video, TV,Internet usw 32
Verbaler Austausch mit BerufskollegInnen 22
Aus Unterrichtssituationen ( Ideen durch die KTN) 10
Impulse von aussen (Alltagssituationen) aufnehmen 9
Aus der FE-Rücken-Ausbildung 5
Aus anderen Kursen ( Yoga, Feldenkrais, Spiraldynamik usw ) 4
  Fortsetzung folgt ( Teil II )  
 

 

Die komplette Studie kann angefordert werden bei :

Marianne Ramseier
Kalchbühlstr. 51
CH - 8038 Zürich
Anforderung via E-Mail
Alle mit *) gekennzeichneten Bilder aus : Für Patienten mit Rückenschmerzen - Dr. med. Bruno Baviera, Zürich